Autismus

Was ist Autismus?

Unter Autismus werden verschiedene Merkmale zusammengefasst, z.B. besondere Verhaltensweisen oder die Art der Wahrnehmungsverarbeitung. Autismus wird durch verschiedene Faktoren bedingt und weist unter anderem eine starke genetische und neuronale Beteiligung auf. Es kann als Form der Neurodiversität* eingeordnet werden, in diesem Fall handelt es sich nicht um eine psychische Erkrankung. Wenn bestimmte Kriterien (nach ICD-10, WHO, 2019, bzw. zukünftig ICD-11, WHO, 2022) erfüllt werden, kann die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung gestellt werden.

Menschen mit autistischen Merkmalen haben über mehrere Kontexte hinweg Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion und spüren ein starkes Bedürfnis nach Gleichförmigkeit, gehen strikten Routinen nach oder haben ungewöhnliche bzw. intensive Interessen. Diese Schwierigkeiten liegen bereits seit der frühen Kindheit vor, können ihre volle Ausprägung allerdings auch erst später erreichen, wenn die sozialen Anforderungen die individuellen, begrenzten Fähigkeiten übersteigen. Viele Betroffene berichten, sich im Verlauf der Zeit vermehrt an die Außenwelt angepasst zu haben. Dieses Verhalten wird auch als „Masking“ oder „Camouflaging“ bezeichnet, stellt aber kein Autismus-spezifisches Merkmal dar, da auch viele Menschen außerhalb des autistischen Spektrums maskieren.

Darüber hinaus gibt es Menschen, die Verhaltensweisen zeigen, die an Merkmale der Autismus-Spektrum-Störung erinnern, ohne jedoch die Kriterien für eine entsprechende Diagnose zu erfüllen. In diesem Zusammenhang spricht man von „autistischen Zügen“ oder „Autism-like Traits“. So werden auch hier Defizite in den sozialen Kompetenzen, in der Fähigkeit zur Perspektivübernahme, Emotionsregulation oder sensorische Auffälligkeiten berichtet. Für Betroffene ist es oft nicht möglich zu unterscheiden, ob es sich um autistische Züge oder eine Autismus-Spektrum-Störung handelt, da der subjektive Leidensdruck häufig ähnlich ist. Erfahrene Diagnostiker sind hier gefragt.

Für weiterführende Informationen empfehle ich folgende Ratgeber:

Lipinski, S. (2022). Autismus: Das Selbsthilfebuch. Psychiatrie Verlag, Imprint BALANCE buch+medien verlag.
Schreiter, D. (2014). Schattenspringer-Wie es ist, anders zu sein. Panini. Band 1-3
Vogeley, K. (2012). Anders sein: Asperger-Syndrom und Hochfunktionaler Autismus im Erwachsenenalter – Ein Ratgeber. Beltz.

 

* Neurodiversität = natürliche Vielfalt neurologischer Funktionen und Eigenschaften unter Menschen

Mein Angebot

Alle Varianten des autistischen Spektrums können aufgrund der beschriebenen Schwierigkeiten mit einem hohen Leidensdruck einhergehen. Häufig kommt es dadurch zu anderen psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Angststörungen.

Mein Angebot richtet sich an Menschen, die bereits eine Autismus-Diagnose haben oder autistische Merkmale bei sich feststellen.

Diagnostik: Nach langjähriger Tätigkeit in einer Autismus-Ambulanz biete ich eine diagnostische Abklärung im Rahmen einer Therapie bei mir an. Der Umfang der Therapie richtet sich in erster Linie nach dem individuellen Bedarf, eine Kurzzeittherapie (12-24 Sitzungen) ist dabei häufig ausreichend. Bestandteile einer solchen Therapie können z.B. eine ausführliche Diagnostik, anschließende Psychoedukation sowie Bearbeitung individueller Problembereiche sein. Die Diagnostik selbst besteht aus folgenden Elementen:

  • Ausführliche Anamnese (über mehrere Sitzungen hinweg)
  • Fragebögen (können zuhause ausgefüllt werden)
    Klinisches Interview (1 bis 2 Sitzungen)
  • Verhaltensbeobachtung über alle Sitzungen hinweg
  • Fremdanamnese (Auswertung von Schulzeugnissen, Gespräche mit Angehörigen)
  • Differentialdiagnostik (d.h. Untersuchung anderer, möglicher psychischer Erkrankungen als alternative Erklärung für die berichtete Symptomatik)

Psychotherapie: In meiner Arbeit mit Menschen im autistischen Spektrum versuche ich stets, die Besonderheiten der individuellen Wahrnehmungsverarbeitung zu thematisieren und im Therapiesetting zu berücksichtigen. Das kann z.B. die frühzeitige Ankündigung von (Termin-)Änderungen oder die Vermeidung sensorischer Störquellen, sofern möglich, sein. Hier bin ich auf Ihre ehrliche, direkte Rückmeldung angewiesen, damit wir Ihre Bedürfnisse so gut wie möglich berücksichtigen können. Auch auf ehrliche, direkte Kommunikation meinerseits können Sie sich verlassen.

Autismus im engeren Sinne ist nicht behandelbar, d.h. die Therapie verfolgt nicht das Ziel, autistische Kernsymptome, sondern die Folgeprobleme oder komorbiden (d.h. zusätzlichen) psychischen Erkrankungen unter Berücksichtigung der autistischen Grundstruktur zu behandeln. Das kann z.B. die Bewältigung von Alltagsbelastungen sein, eine verbesserte Selbstakzeptanz, eine Stärkung der Selbstfürsorge oder die Erarbeitung hilfreicher Kompensationsstrategien.

Quellen:
Küpper, C., Bartels, H. & Dziobek, I. (2025). Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen: Herausforderungen und Empfehlungen. Psychotherapeutenjournal, 24 (4), 349–360.
Küpper, C., Bartels, H. & Dziobek, I. (2026). Psychotherapie bei Erwachsenen mit Autismus in der ambulanten Praxis: Herausforderungen und Empfehlungen. Psychotherapeutenjournal, 25 (1), 33–42.